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Das Schicksal wollte es aber, daß dieser zukunftweisende Meister der Sinfonie starb, bevor er seine Bestrebung erfüllen konnte.

Und das Schicksal wollte es auch, daß bis heute keiner der späteren Musikfachleute die hohe Aspiration Beethovens nach der vollstän-digen Einheit der Sinfonie erkannte sowie daß auch keiner der nachfolgenden Sinfoniker dieses große Vermächtnis Beethovens in einer neuen Sinfonie erfüllte.

Es gab sogar Fachleute, die – möglicherweise nur für die Zur-Schau-Stellung ihres vermeintlichen musikalischen Wissens – Brahms’ erste Sinfonie als Beethovens „Zehnte“ bezeichneten.
Doch erfüllen weder die erste Sinfonie noch die weiteren Sinfonien Brahms’ diesen Anspruch.

So gehen die Sinfonien Brahms’ in dieser Entwicklung nicht weiter, sondern wieder zurück.

Und als ehrlicher Mensch zog Brahms nach seiner vierten Sinfonie die Konsequenz und schrieb keine weitere.

Ich möchte auf die Bemühungen anderer Sinfoniker bis in die Neuzeit nicht eingehen, da es schon von vornherein bei keinem von ihnen das erklärte Anliegen war, Beethovens sinfonisches Werk fortzuführen – so wie dieser das sinfonische Werk Mozarts fortgesetzt hatte und Mozart wiederum das Werk Haydns und so weiter und so weiter –, um den Anspruch des genialen musika-lischen Wegbereiters Beethoven nach der Einheit der Sinfonie in seinem Sinne zu verwirklichen.

Es war also mein verständliches Bemühen, die große sinfonische Tradition wieder aufzunehmen und das sinfonische Schaffen Beethovens in seiner beschriebenen Weise fortzusetzen.

Wie Bach und Mozart war auch Beethoven ein großer Meister des Kontrapunktes, und somit ist klar, daß Beethoven seine zehnte Sinfonie ganzheitlich polyphon, wenn nicht auch ganzheitlich polyrhythmisch komponiert hätte.

Aus Beethovens Schaffen und besonders aus seiner neunten Sinfonie und seinen darin gestellten Forderungen zog ich für mein sinfonisches Schaffen folgende Konsequenzen:

In der Tradition unserer großen klassischen Sinfoniker stehend, wollte ich die von Beethoven geforderte Einheit der Sinfonie in jeder meiner Sinfonien anstreben und polyphon sowie poly- rhythmisch verwirklichen.


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©   A A R   E D I T I O N   I N T E R N A T I O N A L   2001

 

 

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